Steffen Marciniak, Autor aus Berlin auf der Gay Book Fair 2016

In Stralsund geboren begann er bereits in Jugendjahren mit dem Schreiben in unterschiedlichen literarischen Gattungen. Die Dichter Albert H. Rausch und Stefan George sind seine Vorbilder. Seit 1988 lebt er in Berlin, studierte Kulturwissenschaften, arbeitete in Buchhandel und Antiquariat sowie als Lektor. 2010/11 lebte er in Peru und auf den Philippinen. Dort begann er mit der Arbeit an einem unvollendeten Roman, die eine Quelle bietet, aus der und in die viele seiner Dichtungen fließen. Insbesondere sind das die seit 2014 erscheinenden „Ephebischen Novellen“ im Aphaia Verlag, die als Nonalogie angelegt sind. Oft wenig bekannte Figuren der griechischen Mythenwelt stehen im Zentrum der Geschichten, die von verschiedenen Künstlern illustriert erscheinen:

– „HYLAS oder Der Triumph der Nymphe“, 2014,

– „KYPARISSOS oder Die Gabe des Orakels“, 2015,

– „PHAETHON oder Der Pfad der Sonne“, 2016.

In der Anthologie „Griechische Einladung in die Politik“ erschien 2015 im Größenwahn Verlag:

– „HARMODIOS und ARISTOGEITON oder Das Ende der Tyrannis“. Weitere Beiträge sind Essays bzw. Lyrik in Anthologien des Verlags Mikrotext und des Lorbeer Verlags.

2016 übernahm Steffen Marciniak die Gestaltung und Moderation von vier Gesprächsrunden der „Karlshorster Abendgesellschaft“. Er ist Mitglied der Klaus Mann Initiative Berlin e.V. und  Mitorganisator des Griechisch – Deutschen Lesefestivals.

Im Internet findet man bei facebook seine Autorenseite: www.facebook.com/steffenmarciniak

Dichterworte zum „HYLAS“:

Der Halbgott Herakles verliebt sich in den zarten wie schönen Tyrannensohn Hylas, der während der Argonautenfahrt beim Wasserholen von der liebeswütigen Nymphe Dryope geraubt wird, womit sich ewig brennende Sehnsucht in die Brust des suchenden Freundes senkt. Steffen Marciniak erzählt diese zwischen den Göttern, Elementen und Geschlechtern taumelnde Liebe ohne jede süßliche Anakreontik. Seine Novelle ist voller Schlachtengeräusch und Gefühlsschauer, seine Sprache fein verästelt und doch immer kraftvoll. Der Mythos lebt.

Martin A. Völker

 

Den „Hylas“ las ich mit großer Freude an der eigenwilligen Sprachform und dem schönen Thema. Viel griechische Mythologie wird verarbeitet und gedeutet, aber man spürt, dass da ein innerer Bezug besteht und es kein modisches Klappern mit antiken Sandalen ist.

Michael Speier

 

In poetisch klangvollendeter Sprache erweckt der Autor die Mythologie Griechenlands erneut zum Leben und reichert sie mit ganz eigenen Blickwinkeln an, welche die eigene Gedankenwelt, um bisher unbeachtete Möglichkeiten erweitern. Empfehlenswert, wenn man nicht scheu ist, eine bekannte Welt mit neu geöffneten Augen zu sehen.

Alexander Günther

 

Ich gebe zu das ich zu Beginn skeptisch war. Es ist oftmals heikel, wenn Autoren von heute sich an die ganz alten Sachen trauen. Wenn dann der Anspruch besteht das Werk sprachlich ebenfalls dieser alten Epoche anzugleichen, ist es ein Spiel mit dem Feuer. Hier ist dies total gelungen. Ich bin fasziniert und freue mich auf weitere Bände. Unabhängig vom Inhalt möchte ich hier die Ausstattung loben, wunderschön! Insgesamt wirklich ganz, ganz toll und nur zu empfehlen. Ich hebe beide Daumen hoch und ziehe meinen Hut für dieses Können!

Matthias Bünemann

 

Dichterworte zum „KYPARISSOS“:

 

Feiner schwingende Beziehungen tragen die Hauptfabel; Steffen Marciniak widmet sich immer wieder der Schilderung von Seelen-Erlebnissen; hier vermag er Treffliches hervorzuholen. Über

die Beschreibung von manchmal langen Gefühlsketten macht er damit erlebbar, was ein bloßes Kulturlexikon mit seiner ständig abkürzenden und substantivreichen Diktion nicht schafft. Er emotionalisiert antik-griechische Verhältnisse. Hier setzt der Dichter seine sehr eigenen Betonungen. Was Steffen Marciniak etwa darstellt – mehrfach und mit Inbrunst – : dass die Befindlichkeit seines Kyparissos, des jungen Epheben, unmerklich aus einem als normal anzusehenden Wachzustand übergehen kann in den Traumzustand. Und dass aber das Zurück aus dem Zustand Traum nicht durch solche Unmerklichkeit gekennzeichnet ist, sondern durch eine als abrupt erlebte Änderung. So bringt Steffen Marciniak den Umgang eines Menschen mit dem Gotte zusammen, so zeichnet er die Berührung eines irdischen Mannes mit dem Göttlichen;

und er versieht dabei trotzdem noch – sehr sympathisch – dieses Eintauchen in den jeweils anderen Daseins-Modus mit einem Fragezeichen. Handelt es sich um Geträumtes … oder doch nicht?

Harald Gröhler

 

Jeder Inhalt braucht seine Form. Steffen Marciniak hat für diesen phantastischen, uralten und doch auf heute übertragbaren Inhalt die sprachliche Form gefunden, die ihm angemessen ist. Ich spürte auf einmal beim Lesen die Wahrhaftigkeit, die Leidenschaft, die Sehnsucht und Begeisterung des erzählenden Autors, der sich in der mythologischen Welt der Griechen verliert und findet. Die Geschichte erzählt vom ewig Gleichen in unserem Dasein, von der
menschgegebenen Wiederkehr des mörderischen Siegens und Verlierens, die das kurze Gedicht von Goethe so treffend beschreibt („…. Amboss oder Hammer sein.“) Kyparissos, der Künstler, will sich diesem Gebot nicht fügen, er sieht es nicht ein. Sein Hader und seine unermessliche Trauer sind in dem Dialog mit Silvanus wundervoll nachvollziehbar erzählt, die Kapitel 6 und 7 müssten so in jedem Schulbuch zum Thema Ethik nachzulesen sein und Schüler und Lehrer zum Gespräch über die eigene Position in dieser Gesellschaft anregen.

Sigrun Casper

 

Kyparissos – welch schönes Buch! Ich finde, auch der zweite Band von Steffen Marciniak ist etwas ganz Besonderes. Die Sprache zergeht förmlich auf der Zunge und trägt einen fort, in längst vergangene, sagenumwobene Zeiten. Man mag unbedingt immer weiterlesen und zwingt sich dennoch, innezuhalten, dass Geschriebene zu spüren und Raum dafür zu schaffen, die Bilder, die im Kopf entstehen, bunt auszuschmücken. Qualitativ hochwertige Literatur, wie hier bewiesen, sie will genossen werden und nicht einfach konsumiert wie Fast-Food-Literatur. Umschlaggestaltung und Zeichnungen harmonisieren vollkommen mit dem Text. An dieser Stelle darf auch der Illustrator gelobt werden! So wünsche ich mir Bücher: Kurz und knackig, aber dennoch rund und gehaltvoll. Vielen herzlichen Dank dem Autor und ich freue mich auf Neues.

Matthias Bünemann

 

Dichter zu Harmodios und Aristogeiton oder das Ende der Tyrannis

 

Eine außergewöhnliche Geschichte, angesiedelt zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen dem antiken Athen und den Elysischen Gefilden des griechischen Mythos, sich spielerisch zwischen beiden Welten bewegend. Wie der Held Harmodios fühlt sich der Leser zuweilen selbst in der Schwebe gehalten, in einen Traum versetzt. Denn selbst der geschichtliche Hintergrund des Tyrannenmords der Freunde Harmodios und Aristogeiton an Hipparchos ist weniger “Realität” als viel mehr Hintergrund für die Entfaltung einer reichen Skala von subtil beschriebenen Gefühlen, homoerotische Leidenschaft, Sehnsucht, Eifersucht, Hass, nacktes Entsetzen, körperlicher und seelischer Schmerz und zuletzt Glückseligkeit im Elysium. Die Geschichte entfaltet sich wie der Satz einer Symphonie mit ruhigen und dramatischen Partien in einer gewählten, musikalisch wirkenden Sprache. Ein sehr lohnendes, spannendes und emotional intensives Leseerlebnis!

Gerburg Tsekouras (2016)

 

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