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Katholische Kirche: Hass auf Schwule nach außen, Homophilie im Innern
In the Closet of the Vatican is a fascinating description and evaluation of financial, sexual and political misconduct throughout the Catholic Church at a time when new revelations are being uncovered each and every week. This audiobook explores the underlying causes and includes interviews with numerous Cardinals and other individuals, some of whom cannot be named. Martel reveals financial scandals in the Vatican bank; political collusion with unsavoury regimes, including Castro's Cuba and Pinochet's Chile; sexual abuse and hypocrisy over homosexuality. In this explosive account, Martel goes to the heart of corruption in the Catholic Church and inside the Vatican itself. Martel is a researcher and writer. He has a PhD in social sciences and four master's degrees in law, political science, philosophy, and social science (University La Sorbonne). He has been visiting scholar at Harvard University and taught at Sciences-Po Paris and at the HEC's Business School MBA in Paris. He is the author of nine books, including On Culture in America (Gallimard, 2006) and the best seller Mainstream: On the Global War on Culture and Medias (Flammarion, 2010, translated in 20 countries). He has had articles in Newsweek, the New Yorker and the New York Times. Das Sachbuch über die Katholische Kirche und andere schwule Bücher sind erhältlich im Online-Buchshop Gay Book Fair.

In the Closet of the Vatican is a fascinating description and evaluation of financial, sexual and political misconduct throughout the Catholic Church at a time when new revelations are being uncovered each and every week.

Im Herzen der katholischen Weltkirche herrschen Bischöfe, die Homosexualität offiziell ablehnen und unterdrücken, aber selbst homosexuell sind. Diese Doppelmoral ist nach Ansicht des französischen Journalisten und Autors Frédéric Martel einer der Hauptgründe für das funktionierende Macht- und Schweigekartell innerhalb des Vatikans. Und ein Schlüssel für die anderen großen Probleme der Kirche: den sexuellen Missbrauch, das Festhalten am Zölibat, den Kampf gegen Kondome, die Frauenfeindlichkeit und den Priestermangel.

Martels Buch “In the Closet of the Vatican – Power, Homosexuality, Hypocrisy” wird am 21. Februar in mehr als 20 Ländern und zehn Sprachen erscheinen – genau an dem Tag, an dem der Missbrauchs-Krisengipfel in Rom beginnt. ZEIT ONLINE hatte die Möglichkeit, das Buch vorab zu lesen und veröffentlicht hier exklusiv Ausschnitte daraus. Eine deutsche Ausgabe soll im Sommer folgen.

Der Vatikan ist eine der größten homosexuellen Gemeinschaften der Welt. Selbst in einem so symbolträchtigen Schwulenviertel wie Castro in San Francisco, das heute allerdings etwas durchmischter ist, dürfte es kaum so viele Schwule geben.

Willkommen in Sodom!

Für die älteren Kardinäle ist dies in der Vergangenheit begründet: Ihre stürmische Jugend und ihre schelmischen Jahre vor der Emanzipation durch die Schwulenbewegung erklären ihr Doppelleben und ihre Homophobie alter Schule. Ich habe mich während meiner Recherchen oft in die 1930er oder 1950er Jahre zurückversetzt gefühlt, eine Zeit also, die ich aus eigener Anschauung gar nicht kenne, mit ihrer Doppelmentalität von auserwähltem Volk und verfluchtem Volk. Sie brachte einen der Priester, die ich oft traf, auf die Formel: “Willkommen in Sodom!”

Man begreift, dass man ein System bloßstellen muss, das vom kleinsten Priesterseminar bis zum Allerheiligsten – dem Kardinalskollegium – zugleich auf einem homosexuellen Doppelleben und einem wahnwitzigen Schwulenhass beruht. Der Vatikan ist die letzte Bastion, die noch befreit werden muss. Vielen Katholiken ist diese Lüge mittlerweile bewusst.

“Kultur der Geheimhaltung”

Ohne diesen Schlüssel bleibt die jüngste Geschichte des Vatikans und der römisch-katholischen Kirche undurchsichtig. Wenn wir uns die ausufernd homosexuelle Dimension nicht bewusst machen, fehlt uns ein entscheidendes Element zum Verständnis der meisten Tatsachen, die die Geschichte des Vatikans seit Jahrzehnten beflecken. Ich meine etwa die verborgenen Motive, aus denen heraus Paul VI. die Verurteilung der künstlichen Empfängnisverhütung und des Kondoms aufrechterhielt und die strikte Pflicht der Priesterschaft zum Zölibat bestätigte; den Kampf gegen die “Befreiungstheologie”; die Skandale der Vatikanbank unter der Leitung des renommierten Erzbischofs Marcinkus (der ebenfalls homosexuell war); die Entscheidung, Kondome als Mittel im Kampf gegen Aids zu verbieten, selbst als die Pandemie über 35 Millionen Menschen das Leben kostete; die Affären um die Vatileaks 1.0 und 2.0; die sich wiederholende und oft unergründliche Frauenfeindlichkeit vieler Kardinäle und Bischöfe; den Amtsverzicht Benedikts XVI.; die aktuelle Rebellion gegen Papst Franziskus … Obwohl Homosexualität in all diesen Fällen eine entscheidende Rolle spielt, können die meisten darüber nur mutmaßen, da ihre wahre Geschichte nie wirklich erzählt worden ist.

Auszug aus der Rezension von Wolfgang Thielmann, erschienen in Zeit Online am 17. Februar 2019

Quelle: Katholische Kirche: Hass auf Schwule nach außen, Homophilie im Innern

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