Alan Hollinghurst (Foto: Larry D. Moore CC BY-SA 3.0)

Alan Hollinghurst

Alan Hollinghurst wurde als einziges Kind des Bankiers James Hollinghurst, der in der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg gedient hatte, und seiner Frau Elizabeth geboren. Er studierte englische Sprache am Magdalen College in Oxford. Hier machte er 1979 seinen Abschluss mit einer wissenschaftlichen Arbeit zu den Schriftstellern Ronald Firbank, E. M. Forster und L. P. Hartley. Anschließend unterrichtete er in Oxford am Magdalen College, am Somerville College und dem Corpus Christi College, ehe er ab 1981 Dozent am University College London wurde. Zwischen 1982 und 1995 schrieb er Kritiken für die Literaturzeitschrift The Times Literary Supplement.

Nachdem AlanHollinghurst bereits ab Mitte der 1970er-Jahre wenige Gedichte sowie 1983 die Kurzgeschichte A Thieving Boy veröffentlicht hatte, machte ihn 1988 sein Romandebüt Die Schwimmbadbibliothek (The Swimming-Pool Library) bekannt. Durch diesen und seine folgenden Romane erarbeitete er sich bei Kritikern den Ruf, einer der besten Schriftsteller der britischen Gegenwart zu sein. Im Zentrum von The Swimming Pool Library steht der 25-jährige William, ein junger und gutaussehender Homosexueller aus reicher Familie, der von dem betagten Lord Nantwich die Aufgabe erhält, seine Memoiren zu schreiben. Lord Nantwichs Lebensgeschichte ist in den britischen Kolonien und im London der Kriegszeit angesiedelt, es wird auch die Kriminalisierung von Homosexualität bis in die 1960er-Jahre thematisiert. Alan Hollinghurst erhielt mehrere Preise für diesen Roman und wurde für die neu erscheinende, unapologetisch wirkende Weise gelobt, mit der er schwules Leben thematisierte. Edmund White nannte The Swimming Pool Library den „besten Roman über schwules Leben, der bisher von einem englischen Autor geschrieben wurde“. Sein zweiter Roman The Folding Star (1994), bisher als einziger seiner Romane nicht ins Deutsche übersetzt, spielt mit Referenzen an Der Tod in Venedig: Er handelt von einem englischen Lehrer in Flandern, der sich in einen seiner Schüler verliebt und dabei die Kraft und Vergänglichkeit der Schönheit bemerkt.

In dem dritten Roman Die Verzauberten (The Spell) aus dem Jahr 1998 geht um einen Architekten mittleren Alters, der durch seinen jungen Liebhaber in die pulsierende Raveszene und in den Drogenkonsum gezogen wird. Für seinen vierten Roman Die Schönheitslinie (The Line of Beauty) von 2004 erhielt er international exzellente Kritiken sowie (als erstes Buch mit zu einem größeren Teil auch homosexueller Thematik) den Booker Prize. Im Mittelpunkt des in drei Teilen zwischen 1983 und 1987 spielenden Romans steht Nick Guest, ein junger Doktorand der Literaturwissenschaften, der als Hausgast in der Familie eines konservativen Parlamentsmitglieds in der Thatcher-Ära lebt und dort die gesellschaftliche Elite beobachtet. Gleichzeitig sammelt er Erfahrungen in der Londoner Schwulenszene, die zunehmend von Aids heimgesucht wird. The Line of Beauty wurde 2006 von der BBC als Fernseh-Dreiteiler mit Dan Stevens, Hayley Atwell und Tim McInnerny verfilmt.

Alan Hollinghursts fünfter Roman Des Fremden Kind (The Stranger’s Child) aus dem Jahr 2011 spielt über mehrere Generationen und handelt von dem Leben und Nachleben eines jungen Dichters, der im Ersten Weltkrieg ums Leben kommt. Es stellt sich dabei die Frage, ob dessen berühmt gewordenes Liebesgedicht seinem Freund George oder dessen jüngerer Schwester Daphne gewidmet ist. In seinem generationsübergreifenden Sittenbild-Roman Die Sparsholt-Affäre (The Sparsholt Affair) (2017) geht es um den gesellschaftlichen Umgang mit Homosexualität in England vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Die namensgebenden Protagonisten sind ein athletischer Ruderer, der während seiner Zeit an der Oxford University von mehreren Schwulen umworben wird, sowie sein offen schwul lebender Sohn. Die titelgebende Sparsholt-Affäre, die den älteren Sparsholt, homosexuelle Handlungen und eine Gefängnisverurteilung umfasst, wird nicht direkt beschrieben, sondern muss vom Leser durch Indizien zusammengeklaubt werden. Die FAZ-Rezensentin spricht dennoch davon, dass man bestens unterhalten werde.

Alan Hollinghursts Werke spielen zum großen Teil in der britischen Oberschicht unter intellektuellen, kultivierten Charakteren, an denen aber zugleich menschliche Schwächen und Abgründe erkennbar werden. Ähnlich wie Henry James, eines seiner großen Vorbilder, habe er ein „perfektes Gespür für soziale Herkunft, Klassenunterschiede und Machtfragen“. In vielen seiner Gesellschaftsromane chronologisiert er zugleich das homosexuellen Leben im Laufe des 20. Jahrhunderts mit seinen Veränderungen.

Alan Hollinghurst gilt vielen Kritikern als einer der stilistisch herausragendsten Schriftsteller der Gegenwartsliteratur im englischsprachigen Raum. Er veröffentlicht etwa alle sechs Jahre einen Roman, nach eigenen Angaben liegt sein Schreibpensum in der Regel zwischen nur 300 bis 400 Wörtern pro Tag.

Alan Hollinghurst lebt heute im Londoner Stadtteil Hampstead. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature. (Quelle: Wikipedia)

Die Bücher von Alan Hollinghurst erscheinen im Albino Verlag und sind erhältlich im Onlinebuchshop Gay Book Fair, im gutsortierten Buchhandel und in Bonn im Buchladen des Bundesamtes für magische Wesen.

Die Schwimmbad-Bibliothek
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